Die Gottheit Jesu

Die Gottheit Jesu ist eine wichtige Lehre im Christentum. Sie besagt, dass Jesus die zweite Person der Dreieinigkeit und der ewige, unerschaffene Sohn Gottes ist. Darin unterscheidet sich das Christentum vom Islam, wo Jesus zwar als Prophet bezeugt, aber seine Kreuzigung, Auferstehung und Gottheit nicht anerkannt werden. In diesem Artikel wird gezeigt, dass Jesu Gottheit, Tod und Auferstehung historisch gut belegt sind, während es keine unabhängige, historische Belege für die muslimische Version dieser Ereignisse gibt.

Die Gottheit Jesu gemäss dem Christentum

Traditionell werden vier Arten von Argumenten angeführt, um die Gottheit Jesu zu belegen.[1] Erstens wird Jesus im Neuen Testament mit Gottesnamen wie Logos (Joh 1:1), Gott (Tit 2:13), JHWH (Joh 8:58), Sohn Gottes (Joh 3:16) und Sohn des Menschen (Lk 6:5) bezeichnet. Zweitens kann die Gottheit aufgrund der ihm zugeschriebenen Eigenschaften wie Allmacht (Joh 5:19), Allgegenwart (Mt 28:20) und Allwissenheit (Mt 6:8) abgeleitet werden. Drittens werden ihm göttliche Taten wie die Erschaffung der Welt (Heb 1:10), die Autorität Sünden zu vergeben (Mt 9:6) und die Macht über Leben und Tod (Joh 10:18) zugesprochen. Letztens wird berichtet, wie er von Jüngern wie Thomas (Joh 20:28) oder Stephanus (Acts 7:59) angebetet wird.

Abb. 1 - Jesus Christus hält in seiner linken Hand ein Buch. Dort stehen, die aus dem lat. übersetzten Worte, "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." [2]

Die Kreuzigung Jesu wird heute von den meisten Gelehrten als historisch gesichert betrachtet. J. D. Crossan schreibt: «Der Tod Jesu durch Kreuzigung unter Pontius Pilatus ist derart sicher, wie etwas Historisches überhaupt jemals sein kann.»[3] G. Habermas listet neben dem Tod durch Kreuzigung weitere historische Fakten auf, die von den meisten Gelehrten akzeptiert werden. Dazu gehören: (1) das leere Grab, (2) Personen, die behaupteten den auferstandenen Jesus gesehen zu haben, (3) die Umkehr von Skeptikern und (4) das explosive Wachstum der christlichen Kirche.[4] Habermas argumentiert, dass diese Fakten am besten durch die körperliche Auferstehung von Jesus erklärt werden. Im Gegensatz dazu sind alternative Erklärungen wie die Halluzinations-Hypothese oder die Behauptung, dass der Leichnam gestohlen wurde, nicht in der Lage, alle diese Fakten zu erklären.[5] (Dieses Thema wird in der Video-Serie «Auferstehung von Jesus Christus» behandelt.)

Jesus im Koran

Der Koran anerkennt Isa (Jesus) als Propheten (19:30), Wundertäter (3:49) und Messias (3:45). In Sure 4:171 wird allerdings die Gottheit Jesu verneint:

O Volk der Schrift, übertreibt es nicht in eurer Religion und sagt von Allah nur die Wahrheit. Der Messias Jesus, der Sohn der Maria, war der Gesandte Allahs und sein Wort, das er an Maria richtete, und ein Geist, der von ihm ausging. So glaubet an Allah und an seine Gesandten und sprecht nicht: »Drei.« Stehet ab davon, gut ist's euch. Denn Allah ist nur ein einziger Gott; Preis Ihm, (so hoch ist er erhöht) daß ihm sein sollte ein Sohn! Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden, und Allah genügt (allein) als Lenker der Geschicke.

Gleicherweise wird auch die Kreuzigung und infolgedessen auch die Auferstehung Jesu bestritten. So heisst es in Sure 4:157f:

Sie sagten (prahlerisch) »Siehe, wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs, ermordet« – doch ermordeten sie ihn nicht und kreuzigten ihn nicht, sondern einen ihm ähnlichen –. Und siehe, diejenigen, die über ihn uneins sind, sind wahrlich im Zweifel in betreff seiner, ohne sicheres Wissen folgen sie nur Meinungen; und nicht töteten sie ihn in Wirklichkeit, sondern es erhöhte ihn Allah zu sich; und Allah ist mächtig und weise.

Für die meisten Muslime liegt die richtige Interpretation dieser Verse darin, dass eine andere Person an Jesu Stelle gekreuzigt wurde. Andere denken, dass Jesu die Kreuzigung eventuell überlebt haben könnte.[6]

Islamische Einwände gegen die Gottheit Jesu

Ein wichtiges Argument besteht darin, dass es keinen Abschnitt in der Bibel gibt, wo Jesus etwas sagt wie «Ich bin Gott, betet mich an!»[7] Deshalb glauben Muslime, dass sich diese christliche Überzeugung der Gottheit Jesu erst einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach dem Weggang Jesu entwickelt habe.[8] Wie oben angeführt, gibt es jedoch starke biblische Belege für die Gottheit Jesu. Ergänzend zu den obigen Stellen kann das Loblied in Phil 2:5-11 angeführt werden, welches eindeutig darauf hinweist, dass die Jünger schon früh an die Gottheit Jesu glaubten.[9] Muslime halten dagegen, dass diese und ähnliche Passagen des Neuen Testaments verfälscht wurden. Doch die Überlieferung des Neuen Testaments ist derart gut belegt, dass auch dieses Argument fehlschlägt (siehe «Wurde das Neue Testament sorgfältig überliefert»). Interessanterweise schreibt A. H. Murray, dass selbst der Koran keine starken Belege für eine Verfälschung der Bibel liefert.[10]

Die islamische Lehre verneint die Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Manche Muslime denken, dass Jesus die Kreuzigung durch ein Wunder Allahs überlebt hat.[11] Dies wird zum Teil aus gewissen Details in den Berichten der Bibel abgeleitet. Die Frauen am Grab könnten Jesus medizinisch behandelt haben. Oder das Gebet von Jesus im Garten Gethsemane vom Tod verschont zu werden, könnte von Gott beantwortet worden sein. Manche Muslime wiederum halten es für möglich, dass Simon von Kyrene oder Judas an seiner Stelle gekreuzigt worden ist.[12] Aber letztendlich gibt es für die Behauptung, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben ist, keine historischen Belege. Mehrere christliche, jüdische und römische Autoren des ersten Jahrhunderts bestätigen, dass Jesus durch Kreuzigung gestorben ist. Zu diesen gehören Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Josephus und Tacitus.[13] Zudem würde eine Erfindung der Geschichte durch die Jünger nicht erklären, weshalb sie bereit waren, für ihren Glauben zu sterben.[14] Eine Auslegung der biblischen Texte in ihrem Gesamtkontext erlaubt auch nicht, Details in den Evangelien als Argumente für die muslimische Sicht zu beanspruchen. Die Evangelisten machen klar, dass es Jesus war, der gekreuzigt und begraben worden ist. Insgesamt ist es nicht plausibel, dass der Koran, welcher mehr als 600 Jahre nach diesen Augenzeugenberichten geschrieben worden ist, zuverlässiger als die Bibel über diese Ereignisse berichten kann und bis dahin unbekannte Fakten enthüllt.[15]

Ein wichtiger Grund, aus dem Muslime die Gottheit Jesu ablehnen, liegt in ihrer Befürchtung, dass die Gottheit Jesu zu Vielgötterei (Polytheismus) führen und dadurch der Einheit Allahs widersprechen würde.[16] Dies basiert allerdings auf der falschen Annahme, dass Christen drei Götter anbeten. Das Neue Testament bejaht durchaus die monotheistische Sichtweise: “Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht» (Jak 2:19). Die Beobachtung, dass sowohl der Vater, der Sohn und der Heilige Geist als Gott bezeichnet werden, ist kein logischer Widerspruch dazu. In der christlichen Theologie wird nämlich zwischen der Natur Gottes (Substanz) und den Personen in der Gottheit unterschieden.[17] Gemäss dem Konzil von Nizäa gibt es einen Gott, bestehend aus drei Personen, die aber alle dieselbe Natur teilen. Die Trinität ist deshalb kein widersprüchliches Konzept.

Schlussfolgerung

Alle frühen Quellen bestätigen die Kreuzigung von Jesus und dass er nach seiner Auferstehung den Jüngern erschienen ist. Die islamischen Ansichten, dass Jesus nicht behauptet hat, Gott zu sein, und dass er nicht gekreuzigt wurde, treten dagegen erst 600 Jahre später auf. Die historischen Belege bestätigen deshalb die Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses und belegen so die Gottheit Jesu.


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