Was sagen die historischen Quellen über die Auferstehung von Jesus Christus?

Jesus von Nazareth kann zu Recht als einer der einflussreichsten Personen der Menschheitsgeschichte bezeichnet werden. Was nach seinem Tod geschah, hatte einen tiefgehenden Einfluss auf seine Jünger und führte dazu, dass das Christentum zur grössten Weltreligion wurde. Im Laufe der Geschichte gab es vielerlei Interpretationen der historischen Daten, die sich auf die Ereignisse nach dessen Tod beziehen (z.B. die Hypothesen eines Diebstahl, Halluzinationen, usw.). Bevor man sich allerdings eine Meinung über diese Theorien fällt, ist es wichtig zu Fragen, welche historischen Daten in Bezug auf den Tod von Jesus Christus und die Ereignisse danach von den meisten Gelehrten heute als gesichert betrachtet werden.

Geschichtlich gesehen ist es ziemlich zweifelhaft, ob Christus überhaupt jemals gelebt hat, und wenn ja, so wissen wir nichts über ihn.[1]

Der bekannte Philosoph Bertrand Russell mag ehemals nicht als einziger die Ansicht vertreten haben, dass es fraglich ist, ob Jesus Christus überhaupt jemals existiert hat. Mittlerweile ist dies allerdings eine Meinung, die von keinem uns bekannten Historiker heute noch vertreten wird. Weshalb diese zu einem anderen Urteil kommen, soll im Folgenden untersucht werden.

Historische Prinzipien

Historiker arbeiten mit Quellen. Diese werden bei den Forschungen anhand diverser Prinzipien untersucht, um die Verlässlichkeit eines Textes zu ermitteln. Zu den wichtigsten Prinzipien, die dabei relevant sind, gehören:

  1. Mehrere, unabhängige Quellen werden im Allgemeinen als stärkeres Zeugnis angesehen, als lediglich eine einzelne Quelle.
  2. Feindliche Quellen sind tendenziell weniger voreingenommen als freundliche Quellen.
  3. Peinliche Zugeständnisse werden unter normalen Umständen nicht erfunden, da diese die eigene Position schwächen.
  4. Augenzeugenberichte sind normalerweise besser als ein Zeugnis aus zweiter oder dritter Hand.
  5. Frühe Aussagen sind tendenziell zuverlässiger als Aussagen, die Jahre später über ein spezifisches Ereignis gemacht werden.[2]

Anhand dieser Prinzipien können die minimalen Fakten im Zusammenhang mit dem Leben und der Auferstehung von Jesus Christus identifiziert werden. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr gut belegt und von nahezu allen Neutestamentlern in diesem Bereich anerkannt werden (auch von Skeptikern wie bspw. Bart Ehrman oder Gerd Lüdemann). In der Folge wird untersucht, worauf diese minimalen Fakten hinweisen.

Abb. 1 - Kreuz auf Hügel.[3]


Starb Jesus am Kreuz?

Die Hinrichtung von Jesus durch Kreuzigung ist in den frühesten Quellen, d.h. den vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes), aufgezeichnet. Zusätzlich stehen heute mehrere Zitate aus nicht-christlichen Quellen zur Verfügung, die von Jesu Tod berichten. Zwei dieser Quellen werden hier aufgelistet. Neben diesen Berichten bestätigen bspw. auch Mara Bar Serapion und der Talmud den Tod von Jesus.

Nero verfestigte die Schuld [der Verbrennung Roms] und fügte die ausserordentlichsten Folterqualen einer Klasse von Menschen zu, die für ihre Abscheu gehasst wurden und vom Volk Christen genannt wurde. Christus, von dem der Name seinen Ursprung trägt, litt während der Regierung unter Tiberius zu Händen des Prokurators, Pontius Pilatus, die höchste Strafe [der Kreuzigung].[4]

Diese Leute [Christen] verehren immer noch den Menschen, der in Palästina gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte...[5]


Die obengenannten Quellen ergeben ein eindeutiges Bild: Jesus wurde im 1. Jahrhundert in Palästina getötet.

Glaubten die Jünger, dass Jesus auferstanden und ihnen erschienen ist?

Diese Frage kann leicht missverstanden werden. Hier geht es vorerst nicht darum, ob Jesus auferstanden ist. Vielmehr geht es darum zu klären, was die Jünger meinten erlebt zu haben.
Hierzu gibt es unter Neutestamentlern mittlerweile praktisch einen Konsens, der diese Frage mit Ja beantwortet. Dies liegt mehreren Beobachtungen zu Grunde: (1) die Jünger behaupteten, dass es so war und (2) ihr Leben wurde radikal verändert, sodass sie mutig das Evangelium verkündeten und sogar willig waren, für ihren Glauben zu sterben.

Diesbezüglich betrachten wir die Aussagen des Apostel Paulus, eine mündliche Überlieferung der frühesten Christen, Zitate der Kirchenväter, sowie Aussagen über Jakobus, den Halbbruder des Herrn.

Die Aussage von Paulus

Bevor wir nun auf die frühesten Quellen, die wir in der Bibel selbst finden, eingehen, sind ein paar Anmerkungen diesbezüglich notwendig. Wenn man in diesem Zusammenhang die Bibel zur Hand nimmt, könnte man einwenden, dass man die Historizität der Auferstehung nicht mit der Bibel beweisen kann, da man ansonsten im Kreis argumentieren würde. Kritische Neutestamentler, die bei der Untersuchung dieser Stelle nicht von einer göttlichen Inspiration der Bibel ausgehen, betrachten den ersten Korintherbrief als einen gewöhnlichen Brief aus der Antike. Die grosse Mehrheit von ihnen ist allerdings überzeugt davon, dass der Brief authentisch ist. In anderen Worten, sie denken, dass der Brief durch Paulus, einen Gelehrten im ersten Jahrhundert geschrieben wurde, der in einer guten Position war, um über diese Ereignisse berichten zu können. Somit ist es selbst dann notwendig, diese Quelle zuhanden zu nehmen, wenn man nicht von einer göttlichen Inspiration der Bibel ausgeht. Wenn man dies nicht tun würde, dann würde man die früheste historische Quelle (vgl. historisches Prinzip 5) über die Auferstehung von Jesus Christus ausser Acht lassen.

Um nun auf Paulus zurückzukommen, lässt sich zu allererst festhalten, dass Paulus gemäss 1 Cor 15:11 einige der Apostel persönlich kannte und dieselbe Botschaft über die Auferstehung predigte wie sie:

Ob nun ich oder jene: So jedenfalls predigen wir [die Erscheinungen des auferstandenen Jesus], und so seid ihr zum Glauben gekommen. (1 Cor 15:11)


Aus dem Kontext dieses Abschnitts wird klar, dass die anderen Apostel ebenfalls verkündeten, dass Jesus auferstanden ist. Die Aussage, dass seine Botschaft mit derjenigen der anderen Apostel übereinstimmt, deckt sich ebenfalls mit seinen Aussagen im Galater-Brief. Dieser Brief wird von Neutestamentlern allgemein ebenfalls als authentisch betrachtet wird. Paulus erwähnt dort, dass er bereits 3 Jahre nach seiner Bekehrung den Apostel Petrus in Jerusalem traf (Gal 1:17-18; vgl. historisches Prinzip 1 und 5). Einige Jahre später, als er nochmals Jerusalem besuchte, traf er neben Petrus auch Jakobus und Johannes (Gal 2:9). Der Apostel war also in einer guten Position zu wissen, welche Ereignisse sich damals in Jerusalem zugetragen haben, weil er die richtigen Leute kannte.

Im Galater-Brief erwähnt Paulus ausserdem, dass er ein eifriger Jude war, der die Christen verfolgte (Gal 1:13-14). Dies bestätigt, dass es sich bei dieser Quelle um ein Zeugnis eines ehemaligen Feindes (vgl. historisches Prinzip 2) handelt. Dies ist ein zusätzliches Indiz für dessen Authentizität. Tertullian zu Folge wurde Paulus unter Kaiser Nero geköpft. Letzterer regierte zwischen 54 und 68 n. Chr. D.h. Paulus war bereit für seinen neuen Glauben zu sterben. Hiermit haben wir einen zusätzlichen Hinweis darauf, dass die Erfahrungen, die er machte, sein Denken radikal verändert haben.

Mündliche Überlieferung

Glaubensbekenntnisse wurden in der frühesten Zeit des Christentums mündlich überliefert. Diese kurzen Aussagen konnten leicht auswendig gelernt und weitergegeben werden. In 1 Cor 15:3-5 zitiert Paulus ein solches Glaubensbekenntnis. Selbst von kritischen Neutestamentlern wird dieses Bekenntnis nicht später als 2 Jahrzehnte (ca. 51 n. Chr.) nach der Kreuzigung datiert. Der Grund für diesen Konsens, dass dieses Bekenntnis spätestens dann bereits existiert haben muss, ist darauf zurückzuführen, dass Paulus um ca. 51 n. Chr. in Korinth zu Besuch war. Es gibt aber gute Argumente dafür, dass dieses Glaubensbekenntnis deutlich weiter zurückgeht. Paulus erhielt es vermutlich von Petrus [Kephas], als er sie etwa drei Jahre nach seiner Bekehrung in Jerusalem besuchte (Gal 1:17-18).[6] Man beachte, dass Paulus in 1 Cor 15:6 nebst den Aposteln auch mehr als 500 "Brüder" erwähnt, denen Jesus seiner Aussage zufolge gleichzeitig erschien ist und von denen die meisten zur Zeit des Schreibens noch am Leben waren.

Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; und dass er Kephas [Petrus] erschienen ist, dann den Zwölfen. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übrig geblieben, einige aber auch entschlafen sind. Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; zuletzt aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir. (1 Cor 15:3-8)


Dies bedeutet, dass Christen schon wenige Jahre (zwischen ca. 5 und 20 Jahren) nach dem eigentlichen Ereignis glaubten, dass (1) Christus gestorben ist, (2) begraben wurde, (3) am dritten Tag auferstanden ist und (4) den Aposteln erschienen ist.

Schreiben der frühen Kirchenväter

Die Kirchenväter berichten ebenfalls davon, dass die Apostel auf dramatische Art und Weise durch die Auferstehung von Jesus beeinflusst waren.

Irenäus schreibt, dass Clemens von Rom (ca. 30-100 n.Chr.) "die gesegneten Apostel gesehen und sich mit ihnen ausgetauscht hat.... Aber nicht nur er [Clemens] alleine, denn es lebten noch viele, die von den Aposteln angeleitet wurden."[7]

Clemens selbst erwähnt die Auferstehung ebenfalls in einem Brief an die Gemeinde in Korinth:

Sie empfingen also ihre Aufträge, wurden durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus mit Gewissheit erfüllt, wurden im Glauben an das Wort Gottes gefestigt, und dann zogen sie voll des Heiligen Geistes hinaus zur Predigt, dass das Reich Gottes nahe sei.[8]


Clemens kannte Jesus zwar nicht persönlich, aber mindestens einen der Apostel. Er bestätigt, dass die Jünger an die Botschaft der Auferstehung glaubten. Dies deckt sich mit der Aussage von Paulus.

Das Zeugnis von Jakobus

Hegesippus, ein Christ der im zweiten Jahrhundert lebte, berichtet davon, dass Jakobus, der Halbbruder des Herrn Jesus zusammen mit den Aposteln eine Leitungsposition in der frühen Gemeinde eingenommen hat.[9] Sowohl Hegesippus als auch der römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus und Clemens von Alexandria bestätigen, dass Jakobus als Märtyrer starb.[10]

Schlussfolgerung

Gerd Lüdemann, ein kritischer Neutestamentler folgert, "Es kann als historisch gesichert verstanden werden, dass Petrus und die Jünger nach dem Tod von Jesus Erfahrungen machten, in denen ihnen Jesus als auferstandener Christus erschienen ist."[11] Dies bedeutet aber nicht, dass alle Gelehrten der Überzeugung sind, dass Jesus körperlich auferstanden ist. Lüdemann zum Beispiel ist der Überzeugung, dass Jesus den Jüngern in einer Vision erschienen ist.[12] Dennoch wird die Tatsache, dass die frühen Christen Erfahrungen machten, aufgrund derer sie dachten, dass Christus auferstanden sei, von Neutestamentlern, die sich auf dieses Themengebiet spezialisiert haben, weitgehend anerkannt. Die derzeit meist diskutierten Hypothesen in Bezug auf diese Daten sind die Halluzinations- und die Auferstehungshypothese.

Historizität Jesus , Wunder , Auferstehung

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